Bannwälder sind Waldgebiete, die ganz sich selbst überlassen bleiben. Der Mensch verzichtet hier auf jeden Eingriff und jede Form von Nutzung. Die Natur bleibt ganz sich selbst überlassen und kann sich entwickeln, wie sie will.

Bannwald Schnapsried (Foto: U. Krüger)

Warum werden Bannwälder ausgewiesen?

Freilandlaboratorium

Bannwälder werden wissenschaftlich beobachtet. In regelmäßigen Abständen werden die – manchmal recht langsamen – Veränderungen in den Wäldern erfasst und ausgewertet. Auf diese Weise bekommt man Informationen über die Konkurrenzverhältnisse verschiedener Baumarten. Dies ist kein Selbstzweck, denn daraus lassen sich wichtige Rückschlüsse für eine natur-orientierte Bewirtschaftung unserer „normalen“ Wälder ableiten.

Anreicherung mit Tot- und Altholz

Bäume können von Natur aus viel älter werden, als sie es in den meisten bewirtschafteten Wäldern dürfen. Dort werden Bäume genutzt, wenn sie eine ausreichende Dicke, Höhe und Qualität erreicht haben. In Bannwäldern findet dagegen keine forstliche Nutzung statt. Daher können die Wälder alt werden, bis sie schließlich absterben und zerfallen. Altes und totes Holz reichern sich an, zuerst noch stehend und in den Kronen, später am Boden liegend. Das ist auch der Grund, warum Bannwälder bei Sturm und Schneelage nicht betreten werden sollen. Es besteht die Gefahr, dass tote Äste abbrechen und den Besucher gefährden.

Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten

Altes und vor allem totes Holz bietet einer großen Anzahl von Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dazu zählen eine enorme Fülle von Insekten, Pilzen und Mikroorganismen, aber auch für höhlenbrütende Vogelarten wie die Spechte und ihre „Nachmieter“ (Marder, Bilche, Fledermäuse, Käuze, Meisen, Rotschwanz, Hornissen und viele andere).
Besucher sind in Bannwäldern willkommen. Sie sollen jedoch die ausgewiesenen Wegen nicht verlassen, um die Pflanzen- und Tierwelt nicht zu stören.

„Urwald von Morgen“

In Baden-Württemberg gibt es keine Urwälder mehr. Jeder Quadratmeter im Land wurde mehr oder weniger vom Menschen beeinflusst. In Bannwäldern wird auf die Fortsetzung jeder Einflussnahme verzichtet. Langfristig werden sich hier „Urwälder von Morgen“ entwickeln. Diese Wälder ermöglichen ein urwüchsiges Naturerlebnis, das man andernorts nicht findet.

Bannwälder dürfen betreten werden. Sie sollen den Besuchern ja gerade einen Eindruck davon vermitteln, wie „Wildnis“ aussehen kann. Im Gegenzug muss jeder Gast darauf achten, dass sein Besuch den Bannwald nicht beeinträchtigt.

Im Bannwald überlässt man die Natur sich selber und gibt den gestaltenden Kräften freien Entfaltungsspielraum. Das Entstehen und Vergehen kann hier beobachtet werden, ohne dass der Mensch ordnend eingreift. Das schließt ein, dass ein Bannwald auch nach einem großen Sturmwurf nicht „aufgeräumt“ wird. Auch Borkenkäfer werden im Bannwald nicht bekämpft, da auch sie zum Ökosystem gehören und einen wichtigen Faktor für die Konkurrenzkraft der Baumarten darstellen.

Im Naturpark gibt es 5 Bannwälder:

  1. • Bannwald „Waldecker Schlosswald“ bei Heiligkreuzsteinach (50 ha)
  2. • Bannwald „Hollmuth“ bei Neckargemünd (136 ha)
  3. • Bannwald „Kleiner Imberg“ bei Eberbach (60 ha)
  4. • Bannwald „Sautrieb“ bei Schönbrunn (12 ha)
  5. • Bannwald „Schnapsried“ bei Schönbrunn (99 ha)

Bannwälder nehmen mit insgesamt 357 ha etwa 0,3 % der Fläche des Naturparks ein. Gemessen an der Vorgabe, 1 % der Landesfläche zum Bannwald auszuweisen, besteht hier also noch erheblicher Nachholbedarf.

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